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Der markante Industriezeuge wird sanft saniert

von Roman Huber | AZ, 4. April 2007

Das «Gelbe Viereck» des alten Badener Fabrikationsbetriebes wird von seinen Anbauten befreit. Zum Martinsbergquartier wird ein neuer Wohnbau erstellt.

Die Merker Liegenschaften AG hat sich mit dem gewachsenen Kulturleben im Viereck identifiziert: Es wird dank sanfter Sanierung bestehen bleiben. Einziger Wermutstropfen: Ende 2007 wird nach der «Seerose » auch dem Jugendlokal Merkker die letzte Stunde schlagen.

Seit Jahren wird auf dem Merker-Areal geplant. Inzwischen haben sich die Besitzverhältnisse innerhalb der Familie geändert. Die Art und Weise des geplanten Eingriffs macht das spürbar: Die Pläne mit massiven Neubauten sind längst ad acta gelegt. Mit dem Sondernutzungsplan hatte die Eigentümerin hierzu bereits im Jahr 2002 zusammen mit der Stadt eine gute Grundlage für ein zukunftsträchtiges Vorhaben geschaffen. Das Projekt der Architekten Zulauf & Schmidlin, die mit ihrem Büro selber im Merker-Areal domiziliert sind, ist dieser Tage bei der Stadt eingereicht worden.

DIE IDENTITÄT ZURÜCKGEHOLT
Rund 10 Millionen Franken wird die Eigentümerin in die Sanierung des «Gelben Vierecks» investieren. Der unvergleichliche Industriezeuge, der einst abseits der Stadtmauern neben der wachsenden BBC aufs Haselfeld gestellt worden war, wird in seiner Gestalt erhalten. Das gilt für Mauern und Dach wie für den Mix an gewerblicher und kunsthandwerklicher Nutzung, der in den vergangenen Jahren der Ungewissheit eigendynamisch gewachsen ist, nachdem an dieser Stätte (1991) die Produktion eingestellt worden war. Die Entwicklung folgte, weil kein tragendes Gesamtkonzept für eine Vermarktung vorhanden war.

Auf dem Weg der Projektierung hat man nun die Mieterschaft einbezogen. Fast alle von ihnen werden bleiben und bilden dadurch eine wesentliche Vorgabe für die geplante Gestaltung. «Wir wollten eine Totsanierung vermeiden», erklärt Architekt Dieter Zulauf. Im Gegenteil: Das «Gelbe Viereck» soll seine identitätsstiftende Form wieder erlangen. Dazu werden die vielen Anbauten, die aussen sowie im Hof in den Jahren der wachsenden Produktion bei Merker entstanden sind, entfernt. «Die groben Bausünden werden korrigiert. Die fuchsbauartige Erschliessung geklärt», sagt Zulauf. Alle Hauszugänge wird man dabei auf den freigelegten Innenhof ausrichten.

Einzig die alte Spedition im östlichen Hofteil bleibt erhalten und wird als dunkel gestrichener Backsteinbau zur eigentlichen «Kulturbox ». Hier sollen die kulturell aktiven Mieter im Obergeschoss einen Saal für Veranstaltungen erhalten, während unten ein Restaurationsbetrieb vorgesehen ist, wie er derzeit mit dem «Ponderosa» im heutigen Merkker über Mittag besteht. Das «Gelbe Viereck» schafft durch den baulichen Befreiungsschlag einen klosterhofartigen Platz, der öffentlichen Charakter erhalten soll.

Der Entscheid, das Merker-Areal und dessen Inhalt dergestalt zu erhalten, sei zu einem Teil auf den politischen Druck zurückzuführen, gesteht Sibylle Hausammann-Merker. Doch nicht nur bei den Architekten, sondern auch im Verwaltungsrat habe ebenso die Freude am Gebäude und an diesem «urbanen Mikrokosmos» mitgespielt, hält die VR-Präsidentin fest. In einer langen Planungszeit habe nun eine bessere Lösung wachsen können.

EIN SPEZIELLER WOHNBAUKÖRPER
Abgebrochen werden auch sämtliche rückwärtigen Anbauten, inklusive «Brennpunkt». Hier ist gemäss Sondernutzungsplan Wohnbau angesagt, dessen Struktur nun mit einem markanten ökologischen Baukörper (mit vier Lichthöfen) parallel zum Altbau definiert ist. Mit seinen vier identischen Geschossen wird er Raum für 45 spezielle Wohnungen bieten, weil sie eine Tiefe von 28 Metern aufweisen werden. Durch dieses Bebauungskonzept lässt sich der neu entstehende Merker-Park ausdehnen. Der Neubau wird 20 Millionen Franken kosten. Der Vorteil der Investoren besteht darin, dass sie das Land bereits besitzen. Somit ist ein guter Preis möglich – wie bei den Mietzinsen im Altbau. Anfang 2008 soll es losgehen. Bis Sommer 2007 soll die Baubewilligung vorliegen. Parallel zum Neubau wird die Sanierung bis Herbst 2009 realisiert sein.

Presseartikel «Der markante Industriezeuge wird sanft saniert» (pdf, 880 KB)

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